ökumenischer Kreuzweg 2013

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Katholiken gehen Kreuzweg Jesu im KZ Langenstein-Zwieberge

Von Andreas Joppeck

Die jährliche Gedenkveranstaltung am Fuße des Mahnmals war beendet. Mit Trauer in der Seele kehrten wir zurück zur Gedenkstätte. Hinter mir Stimmen. Junge Deutsche wollten wissen wie es war. Mein Freund ruft mich heran: Du sprichst doch ihre Sprache!

Sag ihnen, wie es war, das Arbeiten im Stollen. Die Stimme versagt, ich dreh mich um, er weint wegen seines Unvermögens Worte zu finden, Tränen rinnen über seine Wangen, er packt mich, rüttelt mich am Arm „sag es ihnen! Erklär es ihnen! ....“ Diese Stimme und diesen Anblick meines Freundes habe ich in mir getragen, wochenlang, nächtelang. Sie sind der Grund, dass ich die alte Truhe geöffnet habe, in der ich meinen Schmerz verschlossen hatte. Aber es bleibt unmöglich, zu vermitteln was wir in den Konzentrationslagern erlebt haben.

Roger Leroyer – Häftling in Langensteins-Zwieberges Außenstelle des Konzentrationslagers Buchenwald!

Langenstein; Eben diese Truhe der Erinnerungen ist es, welche mehr als sechzig Jahre später mehr und mehr zu einer unkomplizierten Auseinandersetzung mit unserer Vergangenheit zwischen den Völkern führt. Den wenigen noch lebenden Zeitzeugen, stehen immer mehr junge Menschen gegenüber, welche diese Zeit nicht mehr erlebt haben und verstehen wollen, wie es zu diesem vielfachen Leid kommen konnte.

So brechen auch die katholischen Christen der Gemeinden von Wernigerode, Blankenburg, Quedlinburg und Halberstadt in der vorösterlichen Zeit nach Langenstein-Zweiberge auf, um im Gedenken an das hier erfahrene Leid, betend den Kreuzweg Jesu zu gehen. Auf die Frage welchen Stellenwert der Ort der Gedenkstätte hat, äußert Stefan Hansch, seit Herbst 2012 neuer Pfarrer in St. Bonifatius Wernigerode: „ Wir Christen gehen den Weg Jesu an diesem Ort in Verbindung mit dem Leiden derer, die hier gequält wurden und tun das im Vertrauen darauf, dass diese Qualen nicht sinnlos waren. Wir dürfen heute frei leben, weil Menschen vor uns ihren Kampf ausgetragen haben. Sie haben ihr Kreuz getragen, wie Jesus es getan hat. „

Um den Leidensweg zu verdeutlichen, dienten Texte aus dem Buch „Clamavi ad te“ von Roger Leroyer der selbst in Zwieberge inhaftiert war, als Grundlage. Leroyer, welcher nach dem Abitur Philisophie in Paris studierte, wurde am 15. August 1944 verhaftet und kam nach einem Monat Haft in Rattingen und vier Wochen im KZ Sachsenhausen ins KZ Langenstein-Zwieberge. Hier musste er von Anfang an im Stollensystem arbeiten. Als die US-Armee das Lager am 13. April 1945 befreite, betrug sein Körpergewicht 34 kg. Nach drei Wochen Pflege im Halberstädter Krankenhaus, kehrte er am 8. Mai in seine Heimat zurück.

Und so zogen mehr als einhundert Gläubige bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und eisigem Wind am vergangenen Freitagnachmittag singend und betend, von Station zu Station, durch das einstige Lager. Erinnernd und betend, nahmen die Teilnehmenden das vielfältige Leid der Menschen von damals und heute mit auf ihren Weg und trugen es durch ihr Gebet vor Gott.

Mit ihrer Kollekte unterstützen die Kirchengemeinden das jedes Jahr im April stattfindende Treffen der ehemaligen Häftlinge in Langenstein-Zwieberge, welche aus allen Ländern Europas anreisen. Reise und Aufenthalt stellen für sie erhebliche seelische, körperliche und finanzielle Belastungen dar.

Diese Treffen tragen jedoch wesentlich, zur geschichtlichen Aufarbeitung für unsere und weitere Generationen bei.

Regina Schmock, Gemeindereferentin in Wernigerode: „Wenn wir unsere Vergangenheit nicht wahrnehmen und anpacken, dann können wir unsere Zukunft nicht meistern!“

Urfassung für Volksstimme Halberstadt & Wernigerode, Mitteldeutsche Zeitung Quedlinburg Kurzfassung Mrz 2013

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  • Zuletzt aktualisiert: 02. März 2014

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