Wort der Kirchen vom 21.09.2013

Wort der Kirchen vom 21.09.2013

Diakon Andreas Weiß, Katholische Pfarrei St. Burchard, Halberstadt


Wer die Wahl hat, …

Liebe Leserinnen und Leser,

auch heute werden Sie in Ihrer Zeitung wieder einige Beilagen finden, die Sie umwerben mit ihren Angeboten für die kommende Woche. Und da gibt’s dann den – scheinbar – gleichen Artikel zu unterschiedlichen Preisen. Oder der Preis für die Ware ist gleich, aber … da ist ja bei dem einen weniger drin. Und dann beim Einkaufen vor den Regalen im Mark finden wir eine noch größere Vielfalt vor. Je vielfältiger das Angebot, desto schwerer fällt uns die Entscheidung. Und das ist nicht nur beim Einkauf so.

Denn heute werden Sie auch noch einige Beilagen der für den Bundestag kandidierenden Parteien samt Kandidaten in Ihren Postkästen finden. Und morgen haben wir dann wieder die Wahl. Wem gebe ich meine Stimme? Das frage auch ich mich. Und für mich steht fest: die schlechteste Option wäre wohl, gar nicht zu wählen. Auch sonst im Leben muss ich wählen, sonst würde ich vielleicht schon nicht mehr leben.

Und ich denke, auch eine Demokratie lebt davon, dass ich meine Meinung zum gesellschaftlichen Miteinander, zum sozialen Leben in unserem Land einbringe, und Vertreter damit beauftrage, auch meinen Interessen eine Stimme zu geben. Ihnen wird so ein Mandat zugesprochen. Da bleibt mir nur, meine Meinung, meine Erwartungen, meine Hoffnungen, aber auch Ängste mit dem einigermaßen in Deckung zu bringen, was die Kandidaten und ihre Parteien versprechen. Ich muss genau schauen, was in den Wahlprogrammen geschrieben steht. Und vielleicht kann ich mich ja noch daran erinnern, was beim letzten Mal versprochen wurde: Was wurde daraus? Es bleibt die Qual der Wahl.

Und trotzdem will ich ihr nicht ausweichen. Ich sollte wohl aufpassen, dass ich nicht nur meine eigenen Interessen im Blick habe. Als soziales Wesen – auf andere Menschen angewiesen – sollte ich auch andere Menschen in unserer Gesellschaft nicht aus dem Blick verlieren. Und so stellt sich mir die Frage: Welcher der Kandidaten, welche der Parteien verfolgt welche Interessen? Hat er oder sie den Menschen im Blick – in den ganz unterschiedlichen Belangen? Da sind die sozialen Interessen ebenso zu erwähnen wie die Bildungspolitik in Bezug auf unsere Kinder und Enkel. Da geht es um Menschenleben in Forschung und internationalen Militäreinsätzen. Da geht es um die nationale Sicherheit und die Einschränkung persönlicher Freiheit. Da geht es aber auch um finanzielle Sicherheit und Wachstum der Wirtschaft: aber um welchen menschlichen Preis – auch durch Waffenexporte? Und etwa auf dem Rücken anderer in der Welt? Wir müssen schon genau hinsehen. Denn wem Würde und Leben der Menschen wirklich ein Anliegen ist, der ist manchmal unbequem und passt oft nicht in die „richtige“ Schublade.  

Jesus war auch so einer. Der war für die Menschen da – nicht für die Etablierten, sondern für die „Verlierer“, für diejenigen, die von den anderen vergessen, ausgegrenzt, an den Rand geschoben wurden. Er führte so manches Mal die wirtschaftlichen und Macht-Interessen seiner Mitmenschen damals ad absurdum und stellte den einfachen Menschen in den Mittelpunkt seines Tuns. Er eckte damit natürlich an. Aber er hat damit auch etwas in Bewegung gebracht. Er hatte gewählt: das Leben der anderen Menschen

Wenn ich morgen wählen gehe, dann geht es wohl weniger darum, wie wir unseren „Lebens-Standard“ halten können, und noch weniger darum, dass es einigen wenigen in Zukunft noch besser geht. Vielmehr geht es darum, dass alle genug haben … in unserem Land, aber auch – wir haben ja heute den geübten worldwide-Blick (auch im TV) – auf der ganzen Erde. Daran sollten wir uns orientieren, wenn wir aus-wählen, wem wir unsere Stimme geben am morgigen Tag. Und wir Christen sollten genau hinsehen, wer sich vielleicht auch ein wenig an Jesus Christus orientiert.

„Wer die Wahl hat, hat die Qual“. Und: genau hinsehen! – ob das drin ist, was drauf steht.

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  • Zuletzt aktualisiert: 22. September 2013

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