Hier ein paar Beiträge zur Geschichte der Wärmestube von 1996 bis 2006

Weiterführende Informationen finden sie hier (unten Wärmestube anklicken) oder hier

 

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2006 Caritasverband Magdeburg übernimmt in Halberstadt die Wärmestube

Dunkle Wolken über Zukunft der Wärmestube haben sich aufgelöst

 

Auf dem Bild sieht man Pater Ubald (links) und Rolf Lange (rechts)

Pater Ubald (links) und Rolf Lange (rechts)
im Gespräch mit Gästen der Wärmestube, die froh sind,
dass die Zukunft der Einrichtung gesichert ist.
Foto: Jörg Endries

 

Die Zukunft der Wärmestube Halberstadt war in Gefahr. Der Franziskanerorden hatte Mitte des Jahres 2006 angekündigt, die Trägerschaft aufgeben zu wollen. Nach Monaten der Suche und Diskussionen wurde dieser Tage ein neuer Träger gefunden.

Halberstadt. Eine Hiobsbotschaft machte Ende Juni 2006 die Runde. Der Bestand der Wärmestube Halberstadt sei nach zehnjähriger Arbeit in der Kreisstadt gefährdet. Die guten Seelen der wichtigen sozialen Einrichtung, die Schwestern Marieta und Clodwiga, hatten angekündigt, sich aus gesundheitlichen Gründen zu verabschieden. Damit stellte auch die Franziskanerprovinz " Vom heiligen Kreuz " ihre Trägerschaft in Frage. Allerdings nicht, ohne sich bei der Suche nach einem neuen Träger zu engagieren. Mit Erfolg.

Die Wärmestube hat eine Zukunft. " Wir haben gekämpft, um die Einrichtung für die vielen bedürftigen Menschen in Halberstadt und der Region zu retten ", brachte es Pater Ubald vom Franziskanerkloster auf den Punkt. Nach Monaten der angestrengten Suche konnte der Caritasverband Magdeburg als neuer Träger gewonnen werden. Alles bleibt da, wo es ist. Die Containeranlage, die seit zehn Jahren auf dem Gelände des Halberstädter Klosters Anlaufpunkt für viele Bedürftige ist, muss nicht auf den Schrottplatz. Die Betriebserlaubnis wurde im Oktober vergangenen Jahres verlängert. Eine wichtige Voraussetzung für die Rettung der Wärmestube. Denn nach dem verheerenden Brand in der Obdachlosenunterkunft Halberstadt, bei dem 9 Menschen ums Leben kamen, waren diese Blechkonstruktionen in Verruf geraten. " Unseren Containern sieht man ihr Alter noch nicht an. Alles ist in einem Top-Zustand ", versicherte Rolf Lange, der sich zurzeit um die Betreuung der Gäste kümmert.

Und Arbeit gebe es genug. Gut 100 Bürger und Unternehmen unterstützen die Wärmestube mit Spenden. " Eine wichtige Hilfe, ohne die wir aufgeschmissen wären. Wir leben nicht von Millionen, sondern von den vielen kleinen Spenden ", so Lange. Täglich kommen zur Mittagszeit zwischen 30 und 50 Frauen, Männer und Kinder, um eine warme Mahlzeit zu erhalten. So genannte kalte Taschen, gefüllt mit Lebensmitteln, werden ebenfalls ausgegeben. Für viele Familien die einzige Möglichkeit, über die Runden zu kommen. Obdachlose können sich duschen und ihre Kleider waschen.

Trotz der Übernahme durch den Caritasverband will der Franziskanerorden weiterhin Verantwortung tragen, betonte Pater Ubald. Es sei " kein Totalausstieg ". " Wir legen auch weiterhin großen Wert darauf, dass es Wärmestube am Franziskanerkloster heißt ", sagte Pater Ubald. Man wolle weiterhin die Wärmestube seelsorgerisch betreuen. " Eine Säule unserer Tätigkeit ", unterstrich der Franziskaner.

 

  

März 2006 Rotarier machten für Wärmestube 1000 Euro locker

(Volksstimme 09.03.2006)

Schwester Marieta und Köchin Gertrud Feuerstacke mit dem Scheck in Höhe von 1000 Euro, den sie von den Rotariern Jürgen Wieggrebe (r.) und Dr. Gunter Elzner erhielten.  Foto: Tobias Frommelt

Schwester Marieta und Köchin Gertrud Feuerstacke mit dem Scheck in Höhe von 1000 Euro, den sie von den Rotariern Jürgen Wieggrebe (r.) und Dr. Gunter Elzner erhielten.

Halberstadt ( tf ). Über eine Spende in Höhe von 1000 Euro freuen sich Schwester Marieta und die Mitarbeiter der Wärmestube am Franziskanerkloster.

Den Scheck übergaben am Dienstag der Vorsitzende der Halberstädter Rotarier, Jürgen Wieggrebe, und sein Stellvertreter Dr. Gunter Elzner. In der Volksstimme hatten sie unter der Rubrik " Leute, Leute " gelesen, dass es der Wärmestube derzeit an Brot und abgepackter Wurst, an Obst und Marmelade fehlt. Für ein warmes Mittagessen und Kleidung reiche es, aber um den Hilfesuchenden etwas zu Essen für den Abend und den nächsten Morgen mitzugeben, fehle es an allen Ecken und Enden, hatte Ordensschwester Marieta geklagt.

Die Halberstädter Rotarier lasen Schwester Marietas Klage. Auf einer ihrer letzten Zusammenkünfte beschlossen sie, der Wärmestube einen Betrag von 1000 Euro zur Verfügung zu stellen. " Wenn wir helfen können, helfen wir gerne ", sagte Jürgen Wieggrebe. Ziel der Rotarier sei die Dienstbereitschaft im täglichen Leben. Spenden fließen in regionale Projekte, sie werden wie in diesem Fall auch schon mal kurzfristig vergeben.

 

 

21.März 2001 Halberstädter Generalanzeiger

 

Auf dem Bild ist Doktor Schnellhardt mit Schwester Marieta und Pater Oswald bei der Spendenübergabe zu sehen.

 

Dr. Schnellhardt leitete am Freitag die anlässlich seiner Verleihung mit dem Bundesverdienstkreuz erhaltenen Spendengelder an Schwester Marieta und Pater Oswald für die Wärmestube weiter.

 

Halberstadt (dk). Eine weitere Spende für die Arbeit der Wärmestube übergab der Europa-Abgeordnete Dr. Horst Schnellhardt am Freitag an Schwester Marieta und Pater Oswald. Die insgesamt fast 2000 Mark waren bei einer Feierstunde zusammengekommen, die der CDU-Kreisvorstand nach der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Schnellhardt organisiert hätte. Statt Blumen hatten dabei zahlreiche Bürger, Unternehmen und Institutionen für einen guten Zweck gespendet.

In der Wärmestube, die im Oktober fünf Jahre besteht, werden inzwischen täglich bis zu 100 Mittagessen gekocht und nachmittags bis zu 20 Kinder betreut. Zwei Ordensschwestern, drei ABM-Kräfte und eine Lehrerin in einer Strukturanpassungsmaßnahmen betreuen hier ganzheitlich viele Bürger. Schnellhardt wünschte den Mitarbeitern viel Kraft für die nicht leichte Aufgabe der sozialen Betreuung.

 

 

Januar 2001 Spendenübergabe in der Wärmestube im Franziskanerkloster


25.01.2001  Halberstadt, News:

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Zilly/Halberstadt (jj). Es war eine kuriose Wette während des kürzlich stattgefundenen zehnjährigen Firmenjubiläums der Firma Pro Line Tische aus Zilly. Es ging um einen Tisch, oval mit acht Beinen.

Tisch mit acht Beinen: kuriose Wette mit sozialem Einsatz

Den sollten zwei Mitarbeiter der Firma innerhalb von eineinhalb Stunden fertigen. Dafür wollte Olaf Ladde, Inhaber der Firma Point Werbung aus Badersleben, der diese Wette auch ins Leben gerufen hatte, 100 Mark für die Wärmestube des Franziskanerklosters spenden.

Doch es kam etwas anders. Eine Minute vor Ablauf der Zeit standen die beiden Mitarbeiter der Firma mit dem fertigen Tisch in der Tür - und Olaf Ladde zückte sein Portemonnaie. Und nicht nur er. Gäste, Mitarbeiter und Firmenleitung spendeten ebenfalls. Statt der 100 Mark kamen somit stattliche 1102 Mark zusammen.

Am Dienstag überreichte Ladde stellvertretend für alle Spender das Geld für die Wärmestube an Schwester Marieta. "Das war faszinierend", sage Ladde angesichts der spontanen Spendenbereitschaft. Das habe er beim Bekannt geben der Wette gar nicht erwartet. Auch Schwester Marieta war glücklich über die große Summe. "Das ist sehr, sehr schön", sagte sie.

Denn: Während die öffentlichen Zuschüsse für die Wärmestube immer geringer werden, steige die Zahl der Bedürftigen stetig, sagte die Schwester. Derzeit geben sie täglich 80 bis 100 Mahlzeiten heraus. Sie seien deshalb ständig auf Spenden angewiesen. "Die Spendenfreudigkeit auch in Halberstadt hat eher zugenommen als abgenommen", sagte sie erfreut.

Wie dringend Hilfe benötigt werde, machte die Ordensfrau deutlich: "Ab Mitte des Monats ist die Wärmestube rappelvoll." Und: "Wir können sie doch nicht fallen lassen". Die Hemmschwelle, in die Wärmestube zu gehen, müsse erst mal übertreten werden. Das mache die Not dieser hilfesuchenden Menschen noch stärker deutlich.

Aus der einstigen Nur-Mahlzeiten-Versorgung hat sich bis heute ein komplexes soziales Versorgungsnetz entwickelt: Angefangen von der Wärmestube mit Essenversorgung an sich bis hin zu einer Kleiderkammer und zur Hausaufgabenbetreuung für Schulkinder im neuen Kinderzimmer der Institution, in der sich inzwischen täglich bis zu 20 Kinder einfinden.

Doch die Mitarbeiter der Wärmestube haben auch mit Kritik zu kämpfen. Nicht alle, die die Wärmestube aufsuchten, seien auch wirklich hilfsbedürftig, heiße es manchmal. Dennoch: Die persönlichen Verhältnisse könne niemand bis ins Detail beleuchten. Oft würden sie erst im Gespräch mit den Betroffenen von mancher Not erfahren. Und häufig stecke auch ein Berg Schulden dahinter, so Schwester Marieta. "Aber wer gibt das schon offen zu?", gab sie zu bedenken. Und: "An Schulden wird heute schnell geraten, wenn man nicht aufpasst", so die Geistliche. Wer zu ihnen komme, dem werde auch geholfen, versicherte sie weiter.

"Es ist ja auch eine Demütigung, wenn man sich vor jemandem bloßstellen muss." Fehlschläge in der beruflichen Laufbahn, private Schicksalsschläge wie Scheidung oder Tod seien einschneidende Erlebnisse, durch die Menschen ins soziale Abseits rutschen könnten. Auch dann stünden die Mitarbeiter zur Seite und arbeiteten dabei auch mit anderen sozialen Institutionen von Stadt und Land zusammen, um Lösungen für die Betroffenen zu finden. Schwester Marieta: "Es ist unser Bemühen, dass die Menschen wieder auf die Beine kommen".  

 

 

Dezember 1999 Suppe und mehr für dieWärmestube

Halberstädter Volksstimme, Halberstädter Tageblatt (11.12.1999, S.2)

Halberstadt (sa). Riesige Konservendosen und 1.000 Mark gab es am Donnerstag für die Wärmestube am Franziskanerkloster. Pater Oswald und Schwester Marieta nahmen die Spende dankbar entgegen. Karlheinz Krone, Geschäftsführer der Halberstädter Würstchen- und Konservenfabrik, sowie Betriebsratsvorsitzende Margot Wesenberg und deren Stellvertreterin Ingeborg Bollmann nutzten den Besuch in der Wärmestube, um sich über die Arbeit mit Obdachlosen und Sozialbedürftigen zu informieren.

Die 1000 Mark stammen von den Besuchern, die in dem traditionsreichen Unternehmen das Angebot einer Betriebsführung nutzten. Anfang des Jahres war von der Belegschaft beschlossen worden, die Einnahmen nicht UNICEF zu spenden, sondern direkt in der Region für soziale Zwecke. „Man sieht immer das Elend in der Welt und vergisst oft genug darüber, dass es auch hier bei uns eine größer werdende soziale Armut gibt. Und die Betroffenen sind nicht freiwillig ins Abseits gedriftet“, sagte Margot Wesenberg zum Engagement für die Wärmestube.

Vier ABM-Kräfte, zwei Zivildienstleistende sowie zwei Ordensschwestern kümmern sich zur Zeit um die Besucher der Wärmestube. In der Einrichtung werden täglich rund 70 Essensportionen ausgegeben, können die Gäste duschen, ihre Kleidung waschen oder auch erneuern. „Die Kleiderkammer ist zur Zeit gut ausgestattet“, berichtete Pater Oswald nicht ohne Stolz. Auch dass sich eine pensionierte Lehrerin täglich um die zahlreichen Kinder kümmert, die in die Wärmestube kommen, war ihm und Schwester Marieta Anlass zur Freude. Die Lehrerin macht mit den Kindern Hausaufgaben und bastelt. So stammt der weihnachtliche Tischschmuck von den Kindern.

Die enge Zusammenarbeit mit dem Sozialamt hat inzwischen gute Früchte getragen. So konnten einige der Betroffenen in betreuten Wohnformen untergebracht werden, andere mit schweren  Folgeerscheinungen von Alkoholkrankheit und Leben im sozialen Abseits werden in Pflegeeinrichtungen betreut.

Einige schaffen sogar den Sprung zurück ins bürgerliche Leben. So berichtete die resolut warmherzige Franziskanerin von einem Mann, der nach Entgiftung und Entziehung Arbeit fand und einen Schuldenberg von 10.000 Mark auf 900 Mark reduzierte. Den willen, sein Leben wieder besser in den Griff zu kriegen, bestärkten die Schwestern, und noch immer sucht er Kontakt.

 

Mai 1999 Mehr als ein warmes Essen

Halberstädter Volkstimme, 19.Mai 1999, Teil II

Sozialamt arbeitet mit Wärmestube zusammen

Halberstadt (sa). ,,Es ist schlimm, dass es so etwas geben muss und es ist gut, dass es so etwas gibt", sagte gestern Landrat Henning Rühe. Das "Etwas" ist die Wärmestube am Franziskanerkloster Halberstadt, die seit zweieinhalb Jahren existiert.

Als sie ihre Arbeit begannen, berichtete Schwester Marietta, haben sie zwei Männer betreut. Heute kommen täglich 50 bis 60 Menschen zu ihnen - Männer Frauen und Kinder. Die warme Mahlzeit ist vielen dabei nicht das Wichtigste, sie suchen auch Kontakt zu anderen Gästen und Mitarbeitern in der Wärmestube.

Zwei Ordensschwestern sind zur Zeit in der Wärmestube tätig, dazu kommen vier ABM-Kräfte, zwei Zivildienstleistende und acht bis zehn Ehrenamtliche. Sie alle sind in der Küche und der Kleiderkammer tätig, holen gespendete Lebensmittel ab, organisieren Möbel, beleiten Gäste zum Arzt.

Zusätzlich zu den Gästen in der Wärmestube werden zur Zeit rund 18 Familien mit Lebensmitteln versorgt. "Diese Familien sind von uns in die Wärmestube geschickt worden", berichtete Sozialamtsleiterin Marianne Kreutzer. Die zumeist kinderreichen Familien haben oft Probleme, mit dem wenigen Geld auszukommen. "Sozialhilfesätze sind keine Berge von Geld", so die Amtsleiterin. Aber man wolle nichts "nachwerfen" und auch Missbrauch von Leistungen möglichst ausschließen. Nur wer wirklich kein Geld mehr habe, um die Familie zu ernähren, werde geschickt. In der Wärmestube werden die Familien namentlich angekündigt, und wenn der nächste Zahltermin heran ist, sollen die Familien zunächst allein klarkommen. Alle Angebote, sowohl vom Sozialamt als auch von der Wärmestube, werden als Hilfe zur Selbsthilfe verstanden. Auch wenn es manchmal Jahre dauert, bis sich Betroffene wieder fangen und Hilfe wirklich annehmen.

Dabei ist die Wärmestube oft schon der erste Schritt aus der sozialen Isolation. Sich wieder unter Menschen wagen, Regelmäßigkeiten in den Alltag bekommen - vieles muss neu gelernt werden. Die enge Zusammenarbeit mit anderen Wohlfahrtsverbänden und Beratungsstellen hat sich schon ausgezahlt. Einige ihrer Gäste, so berichtet Schwester Marietta, haben inzwischen wieder eine Wohnung und Arbeit, kommen allein klar.

"Die Möglichkeiten der Wärmestube sind bescheiden, aber wichtig. Wir könnten uns vorstellen, diese Arbeit zu intensivieren. Viele der hier Einkehrenden müssen erst wieder ein Lebensregime erlernen, brauchen sehr enge Begleitung. Aber um Wohn- und Arbeitsverhalten zu trainieren, muss das Land endlich die entsprechenden Richtlinien vorgeben", ergänzt Klaus Skalitz, Sozialarbeiter vom Caritasverband.

Die Arbeit der Wärmestube wird zum größten Teil aus Spenden finanziert. Rund 140 000 Mark werden im Jahr gebraucht, der Kreis zahlt 15 000, die Stadt 5 000. Die restlichen 120 000 Mark werden von Spendern erbeten. Dazu kommen Bemühungen, in Supermärkten Sachmittel zu bekommen. "Dabei sind wir nicht nur auf große Mengen aus. Gerade, weil die Familien ihre "kalten Taschen" mit Lebensmitteln, Seife, Waschmitteln bekommen, helfen auch kleine Mengen und Meine Spenden", sagte Pater Oswald, Leiter der Wärmestube.

Neben der Lebensmittel - und medizinischen Versorgung, das wurde im Gespräch immer wieder deutlich, ist es aber vor allem die Tatsache, dass die Menschen in der Wärmestube mit Würde und Zuwendung behandelt werden, die diese Einrichtung so wichtig machen.

 

Dezember 1998 Ordensschwester Marieta:

Wer in die Container kommt, muss sich nicht schämen

Halberstädter Volksstimme, Freitag, 4.Dezember 1998

Von Klaus-Peter Voigt (ADN)

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Halberstadt. An die Ordenstracht der drei Franziskanerinnen von St. Mauritz-Münster hat man sich in Halberstadt längst gewöhnt. Seit gut zwei Jahren gehören die Frauen zum Bild der Stadt. Hier kümmern sie sich um die Sorgen Obdachloser ebenso wie um sozial Bedürftige. Ihr täglicher Weg führt die drei Schwestern auch in das von Ordensbrüdern bewohnte Kloster. Dort betreuen die außerhalb der Anlage lebenden Nonnen die im Oktober 1996 von den Mönchen gegründete Wärmestube. Diese ist, nicht zuletzt wegen der hingebungsvollen Arbeit der Schwestern, inzwischen zu einer gefragten Adresse für Obdachlose im Harzvorland geworden.

Wer in die Container kommt, der muss sich seiner Probleme nicht schämen, versichert Schwester Marieta. Und so ist auch der Umgang miteinander. "Wer die Schwelle zum Klostergelände überschreitet, ist unser Gast." Damit sollen Vorurteile verschwinden, die mit Bezeichnungen wie ,,sozial schwach", "Sozialhilfeempfänger" oder "obdachlos" verbunden sind. Das Angebot der ganzheitlichen Betreuung, wie es die Ordensschwester verstanden wissen will, richtet sich an jeden. Man nimmt sich Zeit für das Gespräch mit dem Alkoholiker ebenso wie mit der Mutter von sechs Kindern. Daraus entstehen dann die Hilfsangebote. ,,Wir versuchen bei der Vermittlung einer Wohnung ebenso zu helfen wie bei der Beschaffung einer ABM-Stelle. Und auch den Weg zu Sozialamt oder Suchtberatungsstelle begleiten wir, wenn es notwendig ist", sagte Schwester Marieta.

Drei Zivildienstleistende, zwei ABM-Kräfte und mehrere Ehrenamtliche helfen in der Wärmestube mit. Von 9 bis 17 Uhr ist geöffnet. Frühstück Mittagessen und Abendbrot gibt es für eine symbolische Mark am Tag. ,,Niemand soll sich bei uns als Wohltatenempfänger fühlen", unterstreicht die Franziskanerin. Wer kommt, kann sich an einen der gedeckten Tische setzen. Allein zum Mittagessen zählt man zwischen 50 bis 70 Gäste, rund 200 Menschen kommen regelmäßig in die Wärmestube, die zugleich Ort der Kommunikation ist. Kinder machen Schularbeiten, spielen gemeinsam. Obdachlose können duschen, sich die Haare schneiden lassen. Die Kleiderkammer hält ein reiches Angebot aus privaten Spenden bereit.

Ohne die Akzeptanz in Halberstadt wäre das Projekt der Franziskaner, die die Federführung der Wärmestube übernommen haben, zum Scheitern verurteilt gewesen. ,,Wir sind vom ersten Tag an auf eine riesige Resonanz gestoßen", versichert der Hausobere des Ordens, Pater Oswald. Er ist ,,nicht bange, wenn es ums Klinkenputzen geht". Selbst im Schreiben von ,,Bettelbriefen" ist er geübt. Das zahlt sich aus. Lebensmittel gibt es fast ausschließlich aus Spenden von Bäckern, Fleischern, Handelsketten oder direkt von Produzenten.

Die Vorratskammern sind gut gefüllt, so dass auch eine ,,kalte Tasche" zu den Hilfsangeboten gehört. ,,Die packen wir für die Familien oder Alleinstehenden, die nicht immer zu uns kommen können oder wollen. Darin sind Lebensmittel für einige Tage", sagt Schwester Marieta.

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  • Zuletzt aktualisiert: 13. Mai 2009

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